Geschichte

 

Die gebuchte Reise mit der ganzen Familie zum Geburtstag der Mutter im Januar 2007 wurde plötzlich zu einer Reise, die so nie geplant war.

 

Anfang Januar ging Carsten, da er sich nicht wohl fühlte, zum Hausarzt. Eine reine Vorsichts-maßnahme bevor man in ein unbekanntes Land reist. Schon nach der ersten Blutuntersuchung äußerte der Hausarzt den Verdacht auf Leukämie. Weitere Untersuchungen beim Onkologen machten unsere Hoffnungen, dass die Ursache doch woanders liegen könnte, zunichte. Direkt nach dem Arztbesuch kam Carsten nach Hause und sagte: Ich muss schon heute Abend in die Klinik. „Ich habe Leukämie und die Blutwerte werden rasant schlechter.“ Noch am gleichen Abend begann die Behandlung im Gießener Universitätsklinikum mit Kortison. Nach den folgenden Knochen-markuntersuchungen die Diagnose: ALL „Akute lymphatische Leukämie“ — Hochrisikopatient.

 

„Leukämie“ hatte von einer Sekunde zur anderen unsere bisherigen Gedanken vollständig verändert. Erstarrung und Kampfansage wechselten sich in unseren Gefühlen ständig ab.

 

Ohne eine Knochenmark-Transplantation gab es für Carsten keine Überlebenschance. Die Suche nach einem Spender in der Typisierungskartei und unter Freunden und in der Familie lief an, ebenso die Suche nach einer entsprechenden Klinik, während in Carstens Körper die Chemo tropfte.

 

Relativ schnell wurde tatsächlich ein passender Spender für Carsten aus Tschechien gefunden. Während die Vorbereitungen zu der Transplantation mit Chemotherapie und Bestrahlungen in der DKD, Deutsche Klinik für Diagnostik in Wiesbaden liefen und die anschließende Transplantation mit dem Warten auf den Erfolg durchgeführt wurde, wehte in unserem Garten die tschechische Fahne als Zeichen der Dankbarkeit, die über Ländergrenzen hinausging.

 

Der tägliche Besuch der Familie bei Carsten war verbunden mit dem Durchgehen einer Schleuse, Desinfizierung, Anlegen eines grünen Overalls und Mundschutz. Im von außen lautlosen Isolationszimmer, in dem Carsten untergebracht war, konnte man nur das leise Summen der

Luftreinigung und das Piepsen der Infusionsanlage hören, wenn wieder einmal einer der vielen Beutel leergelaufen war.

 

Die Anspannung war kaum zu ertragen, bis endlich nach 10 Tagen die ersten Leukozyten zu messen waren. Es ging aufwärts. Carsten konnte nach 6 Wochen Isolationszimmer die DKD in Wiesbaden verlassen. Nach den Wochen ohne Berührungen konnte er nun alle umarmen!

 

Die Abstände der Kontrolluntersuchungen wurden immer länger, da Carsten sich gut erholte.

 

Gemeinsam verbrachten wir das Weihnachtsfest und waren dankbar, dass alle zusammen waren.

 

Der Kontrolltermin im Januar 2008 brachte die niederschmetternde Diagnose: Rückfall. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit durch ganz Deutschland. Bestrahlung und Chemotherapie in Gießen, ein neues Medikament im Universitätsklinikum Frankfurt zeigte bei Carsten keine Wirkung. Nach vielen

Gesprächen und Untersuchungen entschied sich Carsten zu einer neuerlichen Transplantation, zunächst geplant in München, im Klinikum Großhadern. Die Stammzellen der Mutter oder des Vaters sollten transplantiert werden. Eine Lungenentzündung aufgrund des schwachen Immunsystems verschlechterte die Heilungschancen und musste zunächst behandelt werden. Da die Voraussetzungen für diese Transplantation in der MHH Medizinische Hochschule Hannover gegeben waren, wurde Carsten mit einem speziell für Krankentransporte ausgestatteten Flugzeug und entsprechendem Begleitpersonal nach Hannover transportiert. Ein Flug mit seiner Frau alleine über Deutschland.

 

Mit sehnsüchtigem Blick in den wolkenlosen Himmel beim Ausstieg aus dem Krankenwagen und ein paar Schritte in die Klinik waren die letzten für Carsten zwischen den beiden Kliniken.

 

Nach den entsprechenden Untersuchungen hatte man sich entschieden, zunächst das Knochenmark und dann auch noch Stammzellen der Mutter zu transplantieren. Bei der vorbereiteten Chemotherapie wurde Carstens Körper immer schwächer und er musste zum Beatmen ins künstliche Koma gelegt

werden. Seiner Frau gab man die Möglichkeit, sich von ihm zu verabschieden: „Pass auf den Vater auf damit er keinen Herzinfarkt bekommt. Das hier ist gar nicht so schlimm“, waren die letzten Worte von Carsten.

 

Während dieser 15 Monate gab es viele schlimme Schreckensmeldungen, aber auch viele schöne Augenblicke, die wir mit Carsten verbringen durften.

 

Seine innere Stärke, vermischt mit seinem trockenem Humor, gab oft Anlass zum Lachen und die Kraft, die schwere Zeit durchzustehen. Während der ganzen Zeit begleiteten ihn die Worte „Das ist mein Weg“ und auf die Frage, was gibt dir die Kraft: „Die Familie und ich möchte Theo (seinen Neffen, damals 5 Jahre) aufwachsen sehen.

 

Am Sonntag den 27.04.2008 ist er gestorben.

 

Carsten hat uns auf diese Reise mitgenommen.

 

Die vielen schmerzlichen Erfahrungen veranlassten uns, diese Stiftung zu gründen, mit dem Zweck, die Forschung auf dem Gebiet der akuten und der chronischen Leukämie zu fördern und mitzuhelfen, damit vielleicht in einigen Jahren diese Krankheit für immer besiegt werden kann.

 

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© Carsten Bender-Leukämie-Stiftung